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Open Content Lizenzierung mittels Creative Commons

Auf der re:publica 2012, der ein oder andere wird sich an dieses Event erinnern, konnte ich einem sehr spannenden Vortrag zu den OCL, den Open Content Lizenzen, lauschen. Auch wenn die re:publica nun schon ein paar Wochen her ist, möchte ich die Inhalte dieses Slots einmal zusammenfassen, weil ich glaube, dass hier noch einige Unklarheiten in Bezug auf Möglichkeiten und Auswirkungen existieren. Vor allem in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen (C3S-Projekt für die Honorierung von Musik unter CC-Lizenz als Alternative zur Gema) erscheint ein gutes Basiswissen über Creative Commons ganz hilfreich.

Zuerst einmal zur Begriffsdefinition

Open Content = speziell gekennzeichnete Inhalte, deren kostenlose Nutzung und Weiterverbreitung urheberrechtlich erlaubt ist

Creative Commons = Lizenzmodell mit einem Paket von Lizenzierungsmöglichkeiten (Lizenzbaukasten) und am das weitesten verbreitete OC-Lizenzmodell

„Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die in Form vorgefertigter Lizenzverträge eine Hilfestellung für die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Medieninhalte anbietet.“ (Quelle: de.CreativeCommons.org „Was ist CC“)

CC-Lizenzpakete und deren Auswirkungen

Insgesamt stehen 6 verschiedene Lizenzpakete zur Auswahl, die man sich alle auf CreativeCommons.org anschauen kann. Ausgangspunkt ist das einfachste und weitreichendste Paket:

Namensnennung – Erlaubt die Vervielfältigung, Verbreitung, Veröffentlichung, Abwandlung, Bearbeitung und kommerzielle Nutzung
Bedingung:
Der Autor/Rechteinhaber muss in der festgelegten Weise genannt werden und das von jedem, der das Werk verwendet. Das bedeutet auch, dass Kopien oder Bearbeitungen eines Werkes eine recht lange Liste von Lizenzgebern enthalten kann.

CC-Lizenzpakete

Um sein Werk unter CC-Lizenz zu setzen, sollte man sich vorher einige strategische Fragen stellen:

  • Was soll mit der CC-Lizenzierung erreicht werden?
  • Warum sollte die Lizenzierung beschränkt oder eingeschränkt werden?
  • Habe ich auch dauerhaft ein Interesse an einer kostenfreien Verwendung meines Werkes?

Man muss sich im Klaren darüber sein, dass die Rücknahme einer CC-Lizenz zwar möglich ist, aber sehr aufwendig sein kann, wenn sich das Werk schon weit verbreitet hat.

Die Voraussetzung für eine Vergabe von CC-Lizenzen ist natürlich, dass man selbst das uneingeschränkte Recht an dem Werk besitzt. Sollte der Fall eintreten, dass ich als Nutzer ein Werk verwende, was fälschlicherweise CC-lizenziert wurde (der Lizenzgeber hatte bspw. nicht alle Rechte an dem Werk), dann liegt das Risiko bei mir als Verwender und nicht beim Lizenzgeber.

Daher der Tipp vom Rechtsanwalt Dr. Till Kreutzer: Bevor ich ein Bild verwende und ich an der Berechtigung zur CC-Lizenz zweifle, sollte ich eine allgemeine Fotosuche durchführen. Wenn das Bild anderswo noch zu finden ist und keine CC-Lizenz aufweist, dann besteht möglicherweise eine Fehllizenzierung und ich sollte die Finger davon lassen.

Einschränkungen der Lizenzierung

NC-KlauselWichtig für die Verwendung ist die Beachtung der nc-Klausel, „Non-Commercial“-Klausel, die häufig verwendet wird und die, wie der Name schon sagt, eine kommerzielle Nutzung des Werkes verbietet. Schwierig ist hier die Interpretation, was kommerziell und was nicht kommerziell ist. Das Merkmal „nc“ betrifft neben der Weiterverbreitung auch interne Nutzungshandlungen. Beispielsweise darf ein Unternehmer eine cc-nc-Broschüre nicht auf seinen Intranet-Server zu freien internen Verwendung laden, so Dr. Till Kreutzer. Aus der NC-Klausel resultiert eine Vielzahl von möglichen Rechtsunsicherheiten, über die man sich als Lizenzgeber vorher im Klaren sein muss.

Eine weitere mögliche Einschränkung ist die nd-Klausel für „Keine Bearbeitung“. Während man standardmäßig das Werk oder Teile daraus verändern kann, verbietet dass diese Klausel. Aber auch hier ist der Begriff „Bearbeitung“ rechtlich, laut Aussage der Referenten, schwer zu beurteilen. Unter welchen Umständen ist es doch zulässig? Dürfen die Inhalte dann trotzdem in die eigene Website eingebunden werden? Die Antworten sind oft Einzelfallentscheidungen und keine allgemein gültigen oder verbindlichen Regeln.

Änderungen am Originalwerk müssen in jedem Fall immer zwingend kenntlich gemacht werden. So wird eine Verbreitung von schlechteren Kopien verhindert.

Der CC-Lizenzgenerator

Der Generator unterstützt den Lizenzgeber bei der richtigen Auswahl der Lizenz für sein Werk. Damit der Lizenzvertrag auch wirklich von jedem gelesen werden kann, gleich ob Mensch oder Maschine, gibt es davon drei Fassungen:

Machine Readable Code

Human Readable Code

Lizenzvertrag (dieser wird offenbar von der CC auch nicht als “Human readable” angesehen)

CC-Lizenzen und Social Media

Wenn man nun meint, man kann CC-Inhalte bedenkenlos bei Facebook & Co. teilen, der irrt. Eine Unterlizenzierung ist nämlich ausgeschlossen. Ich kann das Werk zwar verändern und weiterverbreiten, darf es jedoch nicht erneut und zu anderen Bedingungen lizenzieren. Facebook schreibt aber explizit in seinen Nutzungsbedingungen: „Für Inhalte wie Fotos und Videos („IP-Inhalte“), die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen, erteilst du uns durch deine Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“).“

Gleiches gilt im Übrigen auch für die meisten Bildarchive. Das Einzige, was ich als Nutzer in dem Fall machen kann, ist, mich an den Lizenzgeber zu wenden und eine individuelle Freigabe erbitten.

CCL in der Anwendung

Wie auf iRights.info zu sehen ist, kann eine komplette Website unter CC-Lizenz gestellt werden, allerdings auch nur Teile davon. Diese müssen separat mit einem “Copyright” gekennzeichnet werden.

CC-Lizenz auf iRightsAuf YouTube kann ich beim Upload zwei Lizenzen auswählen: die Standard YouTube-Lizenz oder Creative Commons.

CC-Lizenz auf YoutubeAuf Flickr.com findet sich an jedem Bild die entsprechende Lizenz.

CC-Lizenz auf FlickrMehr Informationen über CCL, OCL und das Urheberrecht finden sich auch auf iRights.info.