Facebook Timeline | Stein des Anstosses?
Seit gestern wird nun jeder Facebook-Nutzer sukzessive mit der neuen Timeline beglückt. Da ich den Status eines Developers auf Facebook habe und damit die Timeline schon einige Monate testen konnte, kann ich den ganzen Wirbel darum nicht so ganz verstehen. Bereits im September 2011 hatte Mark Zuckerberg angekündigt, Facebook zum Tagebuch des digitalen Lebens eines jeden Nutzers machen zu wollen (siehe auch mein Beitrag vom 26.11.2011). Damals wie heute ist diese Vorstellung für mich irgendwie surreal und auch ein Stück weit beängstigend, denn ich möchte als Mensch nicht komplett im Internet abgebildet sein. Aber damals wie heute ist es der Nutzer selbst, der entscheidet, was er von sich preis gibt.
Olaf Kohlbrück titelt auf off-the-record: “Lollipop: Wie Facebook unsere Privatheit auslutscht [..]“.
Gut, man kann es natürlich auch etwas dramatisieren. Doch Facebook kann nur das “auslutschen”, was ich auch veröffentliche. Und wenn ich weiß, dass meine privaten Daten zu Werbezwecken, zur Vernetzung verwendet und im schlimmsten Fall von jedem eingesehen werden können, dann schütze ich mich doch selbst am besten, indem ich sowenig Privates wie möglich von mir publiziere. Dass es zunehmend wichtiger wird, sich mit den Privatsphäreeinstellungen zu beschäftigen und gut zu überlegen, was man postet, kann man in der Entwicklung der Privatsphäre im Zeitverlauf von Matt McKeon sehr eindrucksvoll sehen.
Das Problem besteht nicht darin, dass Facebook schon wieder eine Neuerung einführt und man nicht selbst entscheiden kann, ob man das möchte oder nicht. Das Dilemma ist vielmehr, dass viele Nutzer jeglichen Alters alle Vorteile des Netzes nutzen wollen, sich aber nicht bewusst sind, dass es kein Geschäft ohne Gegengeschäft gibt und sich meist auch noch nie die Einstellungen zur Privatsphäre zu Gemüte geführt haben. Wo ein “Haben” ist, da gibt es auch ein “Soll”. Und das “Soll” sind in dem Fall meine private Daten, die zum einen natürlich dazu dienen, den ganzen Mechanismus des Social Web anzutreiben, zum anderen aber auch kommerziell verwendet werden. Das ist der Lauf der Dinge, zu dem wir uns mehr oder weniger freiwillig bekannt haben, den ich aber nach wie vor selbst mitbestimmen kann.
Wir selbst versuchen mit unserem Projekt “Social Web macht Schule” genau diese Sensibilität im Umgang mit den privaten Daten zu erreichen, ebenso wie andere Initiativen wie beispielsweise Online Kids (AOK PLUS) oder Netzofant.
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Nachtrag 1: Ich habe gerade noch einen schönen Beitrag auf dem Postillon gefunden. Der trifft es ziemlich auf den Punkt
Nachtrag 2: Die neue Timeline ist bislang nur für private Profile und noch nicht für Unternehmensseiten verfügbar. Auf blog.schwindt-pr.com findet sich eine schöne Beschreibung der Inhalte.
Guter Beitrag, doch ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen..
Was ist eigentlich so schlimm daran, dass Facebook Änderungen an Funktionsweise und Design vornimmt? Das macht es nicht das erste mal, das machen andere Netzwerke und Services ständig und auf einmal ist es Top-Thema Nr. 1?
Das versteh ich nicht..
ich ja auch nicht
daher auch die Motivation zu diesem Beitrag. Ich finde andere Themen wie das hier: http://allfacebook.de/news/facebook-schafft-offline-zugang-auf-userdaten-ab
viele wichtiger und brisanter.
Aber es ist wie immer – Facebook ändert irgend etwas und sofort gibt es einen Aufschrei. Wie hat es Sebastian von den Frischen Fischen treffend genannt: “Die German Angst”

