Ein Resetknopf für das Internet?
Tja, es ist wohl mal wieder Sommerloch. Man bemerkt es an völlig wilden Geschichten, die auf einmal durch die Medien geistern und zu Nachrichten werden, die sonst niemand auch nur ansatzweise für veröffentlichungswert hält. Mein derzeitiger Favorit ist die Spon-Meldung, dass der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Klaus Jansen fordert, die Regierung müsse befähigt werden, das Internet mit einer Art Resetknopf bei Gefahr ausschalten zu dürfen. Seine haarsträubenden Phantasien über angebliche Bedrohungen im Internet nennt der Chaos-Computer-Club noch halbwegs diplomatisch “Science-Fiction Romane”. Ich würde sie eine gelungene Komödie bezeichnen, wenn es nicht eigentlich trauriger Ernst wäre. Es gibt in unserer Gesellschaft leider immer noch viel zu viele Leute mit Mandaten, die die Zusammenhänge des digitalen Zeitalters noch nicht verstanden haben. Hoffen wir, dass es eine Sommerlochmeldung bleibt und die Internetausdrucker langsam in Rente gehen. Die CDU geht ja im Moment mit gutem Beispiel voran.
1. Dresdner Kick-WM
Kurze Zeit war die Aufmerksamkeit der Fussballwelt nicht nach Südafrika, sondern nach Dresden, genauer gesagt nach Löbtau, gerichtet. Sonst eher als zweite Heimat unserer fleißgen queoaner bekannt
, wurde unser Büro letzten Freitag zum Ausrichtungsort der ersten Dresdner Kick-WM umfunktioniert. Mehr als 20 verschiedene Teams aus der Dresdner Agenturszene spielten an 6 Kickertischen um den Titel. Für unsere Mannschaft war leider schon im Viertelfinale Schluß, Sieger wurde – hoch verdient – das Team von seto. Und da ein Bild mehr als tausend Worte sagt, gibt hier einen ganzen visuellen Roman.
Gedanken zum WordCamp

Am Samstag war ich beim WordCamp 2010 in Berlin. Trotz hochsommerlichen Temperaturen quetschten sich ca. 200 Leute ins betahaus in Berlin-Kreuzberg. Es war mein erster Besuch eines Barcamps als normaler Gast und dementsprechend neugierig war ich, wie das ganze überhaupt abläuft. Wenig erstaunt war ich, dass sich alle erstmal darauf konzentrierten, ins bereitgestellte WLAN reinzukommen. Diverse Twittermeldungen belegen das auch.
Die Sessionvergabe verlief eher spontan. Zumindest kam es mir so vor, als ob einige Vortragende sich erst in diesem Moment dazu entschlossen, eine Session zu halten. Viele Sessions waren schon im Vorfeld festgelegt worden, so dass auch eigentlich nur noch Lückenfüller gesucht wurden. Trotzdem kamen dann doch alle Sessionleiter auf den Podest und stellten ihre Themen vor. Die Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen.
Zuerst besuchte ich die Session von Vladimir Simovic zum Thema Performance-Optimierung von WordPress. Gefühlte 150 Leute auf 50 Stühlen und dem Fußboden hörten seine Empfehlungen, Firebug und YSlow zu nutzen, Social Media Buttons nur begrenzt, CSS-Sprites dafür ganz bewusst einzusetzen. Da war leider alles nicht neu für mich, und da er mir auch die meiste Zeit den Rücken zuwendete, ich also kaum was verstand, bin ich unhöflicherweise noch während der Session zu René Reimanns Session über Multi-Domain-Nutzung von WordPress ohne WPMU bzw. der in WordPress 3.0 integrierten Lösung dazu gewechselt. Leider war er schon mehr oder weniger fertig, so dass ich ihn im persönlichen Gespräch nochmal kurz zu seiner Methode befragen konnte. Er löst die Multi-Domain-Verwaltung mit einem kurzen PHP-Schnipsel und verschiedenen Präfixen in den Tabellen der Datenbank, einer Methode, die meiner Meinung nach sehr gebastelt anmutet. Ich bin eigentlich eher ein Freund von Lösungen, die so gemacht werden “wie es eigentlich gedacht ist”, aber interessant war es trotzdem.
Die erste wirklich spannende Session hörte ich im Anschluss bei Michael Jendryschik über CSS Media Queries, einem Thema, das eigentlich nichts mit WordPress im Speziellen zu tun hat. Macht aber ganz und gar nichts, schließlich hat ja auch jedes WordPress ein Frontend. Michael beschrieb verschiedene Methoden, mit Hilfe des @media Querys in CSS3-fähigen Browsern auf verschiedene Bildschirmauflösungen mit unterschiedlichen Styles zu reagieren. Das allgemeine Behandeln gleicher Inhalte mit verschiedenen Ansichten ist keinesfalls neu, die hier beschriebene Art und Weise wird jedoch erst bei CSS3-fähigen Browsern interessant und wird sicher auch früher oder später bei den Projekten von queo zur Anwendung kommen.
Vielversprechend fand ich die Ankündigung der Session von Thomas Boley. Er stellte TempELA vor, eine Template-Engine für WordPress, die ähnlich der klassischen TYPO3-Variante mit ###Markern### funktioniert. Prinzipiell ganz und gar nicht verkehrt, vor allem wenn man wie wir bei queo TYPO3 und WordPress oft gemeinsam in Projekten verwendet. Allerdings verabschiedet sich TYPO3 ja gerade von der klassischen Methode und implementiert Fluid, darum wird TempELA vermutlich nicht den Mehrwert bringen, wie es zunächst scheint.
Die Session von Sylvia Egger zum Thema Barrierefreiheit von WordPress versprach, interessant zu werden, zumal ich da ja auch einige Vorkenntnisse mitbringe. Leider stellte sich heraus, dass sie sich ausschließlich auf das Aufzeigen der barrierefreien Features sowie der Mängel des neuen Standard-Themes Twenty Ten von WordPress 3.0 konzentrierte, so dass hier für nichts neues mitzunehmen war. Eine Ausnahme: Tabindizes sind aufgrund von wesentlichen Verbesserungen bei Screenreadern angeblich nicht mehr so relevant, wie sie es mal waren.
Die letzte offizielle Session besuchte ich bei Frank Bültge und Olaf Schmitz von Inpsyde, die sich aber als eine lockere Gesprächsrunde herausstellte, in der alle Anwesenden gleichermaßen aus dem Nähkästchen plaudern durften, was sie denn alles so mit WordPress machen.
Terminbedingt räumte ich also das Feld und reflektierte noch ein bißchen über das Barcamp zu WordPress: ich fand es erfrischend, einige mir schon aus dem Netz bekannte Namen mal im Real Life kennenzulernen. Nette Gespräche und ein bißchen Networking ist immer gut. Aber die Feststellung, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen, kam sehr schnell. Es wurde viel in meinen Augen Triviales zum Mainstream-Thema aufgebauscht. Es gab sogar zwei Sessions zu Suchmaschinenoptimierung, was für mich nichts weiter als ein Buzzword ist, mit dem sich Leute profilieren können, aber eigentlich nichts konstruktives bei rauskommt. Schade fand ich, dass zwei Wochen nach dem Erscheinen eines neuen Major Releases von WordPress mit Ausnahme von Sylvias Analyse zur Barrierefreiheit überhaupt nichts zu neuen Features oder irgendwelchen Howtos dabei war. Es hat nicht geschadet, dass ich dort war, aber meine Begeisterung kennt Grenzen, und beim nächsten Barcamp werde ich mich im Vorfeld sicher ein bißchen intensiver mit den Inhalten beschäftigen.


