Zwischen den Zeilen – Informationsvisualisierung in Blogs
Vergangenen Donnerstag habe ich auf der GeNeMe einen Vortrag über Informationsvisualisierung in Blogs gehalten. Die GeNeMe ist ein Kongress, der durch die Fakultät Informatik der TU Dresden initiiert wurde und auf dem sich alles um innovative Technologien und Prozesse zur Organisation, Kooperation und Kommunikation in virtuellen Gemeinschaften dreht.
Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich eine neues Interface für Blogs entwickelt und einen Artikel geschrieben, der neben der GeNeMe auch auf der SimVis Konferenz veröffentlicht wurde.
Den Ausgangspunkt für meine Arbeit bildet dabei meine große Enttäuschung, als ich das erste Mal neugierig einen Blog aufmachte. Das sollte sie also sein – die Medienrevolution des 21. Jahrhunderts? Eine Webseite im 90er Jahre Chick? Das diese wild zusammengewürfelte Ansammlung von Links, Artikeln und Kommentaren irgendwas Tolles sein sollte, konnte ich kaum glauben.
Ich sollte eines Besseren belehrt werden. Blogs sind etwas Tolles, ohne Frage. Wenn man die Dynamik und die Diskussionskultur erst mal kennen und schätzen gelernt hat, mag man diese brandaktuelle, lebendige Medium nicht mehr missen. Irgendwann stellt man erstaunt fest, dass man durch Blogs mehr Informationen, Tipps und Anregungen erhält, als durch jedes andere Medium. Aber der Weg zu der Erkenntnis ist lang – zu lang. Da geht der eine oder andere schon mal verloren.
Um wirklich einen Beitrag zur Verbesserung der Usability von Blogs zu leisten, muss man zuerst die Topologie und die Nutzung des Mediums verstehen. Also habe ich recherchiert - skalenfreie Netzwerke, der Long Tail, die Meme-Theorie, das Wisdom-of-the-Crowds-Prinzip usw. Eines habe ich schnell festgestellt – alles fängt damit an, dass man in dem Informationswust die Spreu vom Weizen trennt. Also habe ich zuerst ein blogspezifisches Bewertungssystem entwickelt. Der Algorithmus analysiert die inhaltliche Struktur von Artikeln und ergänzt diese Analyse mit Daten, die durch die Interaktion der Blogleser mit dem Blog entstehen. Diese Daten werden anschließend in zwei Dimensionen aggregiert und durch ein Mapping auf das HSB-Farbmodell auf einen Farbwert abgebildet. So wird die Qualität von Blogartikel sichtbar gemacht. Mein Anspruch war allerdings nicht nur eine statische Abbildung zu schaffen, sondern eine interaktive Oberfläche zu programmieren, die als Modul in bestehende Blogs eingebunden werden kann. In etwa so, wie das heute schon mit Tagclouds möglich ist. Entstanden ist ein Flashprototyp, der als Plugin für WordPress zur Verfügung steht.
Die grafische Gestaltung der Oberfläche wurde aus einem Darstellungsprinzip aus der Genetik abgeleitet – dem genetischen Fingerabdruck (oder auch DNA-Sequenzanalyse). Aus dem Grund habe ich meinen Ansatz “Blogsequenzer” getauft – zuerst wird die Struktur von Blogartikel analysiert, mit Nutzungsdaten angereichert und die errechnete Qualität wird anschließend grafisch dargestellt. Es ist übrigens faszinierend, wie viele Parallelen zwischen digitaler Informationen und genetischer Information bestehen. Die Gemeinsamkeiten beruhen darauf, dass jedes sich selbst reproduzierende Trägermedium den Gesetzen der Evolutionstheorie unterliegt, egal ob die Information in Bits und Bytes oder durch DNA-Basenpaare kodiert werden. Informationen verbreiten sich, mutieren und entwickeln sich weiter. Jeder Marketeer, der sich mit viralem Marketing und UGC beschäftigt, kann ein Lied davon singen
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Der Blogsequenzer-Prototyp wird bald auch in den queo-Blog Einzug halten. Sobald einige technische Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt sind, kann man sich selbst an dieser Stelle einen Eindruck verschaffen. Wer sich in der Zwischenzeit für die Hintergründe interessiert sei auf meine Diplomarbeit bzw. den GeNeMe-Artikel verwiesen. Die Folien zum GeNeMe-Vortrag gibt es hier.
Ich freue mich über Kommentare!
Severin<–>
[...] Blogsequencer – Eine interaktive Visualisierung der Qualität von Blogartikeln auf Basis eines blogspezifischen Bewertungssystems – die Diplomarbeit eines Kommilitonen, der ein brandneues Wp-Plugin zur Qualtitätsbewertung von Artikeln entwickelt hat [via queo-blog.com] [...]
