„Und ich wünsch Dir die Post an den Hals“
Manchmal haben sie gar nicht so unrecht, die Bravopunks aus Berlin. Jüngster Beweis für mich – die Anschriftenprüfung des Gelben Riesens. Der erste Eindruck ist ja erstmal sehr positiv. Drei Wege gibt es, um eine Anschriftenprüfung durchzuführen:
1) auf die altmodische Art per Postweg
2) per Onlineformular oder
3) die „Einlieferung per Datei via Internetupload“.
Da ich digitale Daten selten „per Datei einliefere“ und auch nur testweise vier Adressen prüfen wollte, bei denen jeweils die Hausnummer fehlte, nahm ich die zweite Option in Anspruch. 52 Cent pro Adresse, Abrechnung über Kreditkarte – die Deutsche Post scheint ja tatsächlich im Zeitalter des Internets angekommen zu sein.
Aber dann:
„Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer beträgt bis zu acht Werktagen, längstens nach 17 Werktagen wird der Auftrag abgeschlossen und ein Status mitgeteilt.“ Acht Werktage? Hallo – geht’s noch? Ich stell mir gerade bildlich vor, was in diesen acht Werktagen so alles geschieht:
Nach Absenden des Formulars wird mein Anliegen per Mail an den Anschriftenprüfobermeister gesandt. Der schaut die Mail kurz an, notiert sich handschriftlich meinen Namen, meine Anschrift und die Prüfanschrift. Diese Notiz landet dann per Rohrpostsystem bei einer Anschriftenprüferin, ihres Zeichens 63 Jahre alt und nicht mehr ganz so behände. Mit Proviant für drei Tage und einer Taschenlampe bewaffnet verschwindet diese dann im unterirdischen Archivsystem, um all die alten Bücher nach meiner Prüfadresse zu durchforsten. Geschwächt aber erfolgreich erklimmt sie dann (dummerweise funktioniert das Rohrpostsystem per Schwerkraft) die unendlich vielen Stufen zum Anschriftenprüfobermeister, der die korrekte Adresse entgegennimmt und an mich als E-Mail versendet.
Bei so einem Pocedere könnte ich acht Werktage gerade noch nachvollziehen (wenn auch nicht für 52 Cent), aber diese Arbeitsweise traue ich doch nicht mal der Deutschen Post zu. Da hängt doch ein automatisches System dahinter, da fände ich schon acht Minuten eine bedenkliche Reaktionszeit.
Und das Ende der Geschichte: Nach bereits sechs (!) Tagen kam dann gestern das Ergebnis: Ein Datensatz ist noch in Bearbeitung, einer fehlerhaft. Beim Rest sei die Anschrift korrekt. Was mich extrem wundert, hatte ich doch fiktive Hausnummern hinterlegt, denn die fehlten mir ja noch.
Tja Deutsche Post, ich glaube, da müsst ihr noch mal ran.
