Grenzen der Viralität oder des viralen Marketings?
Mir sind in den letzten Tagen bei persönlichen Erfahrungen Gedanken in den Kopf gekommen, die ich gern näher diskutieren würde…
Grundsätzliche Frage: “Gibt es Rahmenbedingungen, die virales Marketing bzw. “Viralität” in Form von Mund-zu-Mund-Empfehlungen beeinträchtigen”
Warum bin ich auf diese Gedanken gekommen? Nun ich gebe zu, es ist ein sehr egoistischer, aber letztendlich handeln Menschen zum Großteil rational und damit auch zum Teil egoistisch. Ich habe mich gefragt, ob Mund-zu-Mund Propaganda oder virales Marketing auch funktioniert, wenn das Angebot bzw. die Information, die weiter gegeben wird oder werden soll, begrenzt ist oder für mich durch die Weitergabe wertloser wird. Ein Beispiel zum besseren Verständnis:
Ich finde durch Zufall ein nettes Hotel oder eine Bar und würde diese gern weiterempfehlen an Freunde etc. Ich tue das und durch das exponentielle Wachstum der Verbreitung erfahren immer mehr Leute, die ich nicht mehr kenne und denen ich es vielleicht gar nicht weiterempfohlen hätte. Nun tritt ein, was ich weiter oben mit “persönlichen Wertverlust” beschrieben habe…die Bar ist nun immer voll – man bekommt keinen Platz mehr, gleichzeitig verliert sie vielleicht ihren Reiz oder das Angebot verschlechtert sich, da ja eh genug Kundschaft da ist. Der einstige Tipp verkommt zum Ramsch. Entsprechend ähnlich ist es bei dem Hotel, dort führt ein Tipp oder eine Weiterempfehlung im Zweifel zu einer höheren Auslastung oder zum Anstieg der Preise für die Zimmer – für den Besitzer gut, für mich persönlich schlecht.
Ich als ein kleines Element der Gesamtmenge kann natürlich das Gesamtsystem nicht kontrollieren oder beeinflussen, was passiert aber, wenn ein Großteil der Menge so denkt und handelt. Wird dann nicht mehr weiterempfohlen oder wie verhält sich das System dann? Letztendlich bekomme ich in den oben genannten Fällen keine Belohnung für die Empfehlung, es ist eine nette Geste.
Nun könnte man den Gedanken weiterspinnen (im wahrsten Sinne des Wortes) und fragen, ob dieser Ansatz auf andere Bereiche übertragbar ist und ob das Web in Zeiten des Web 2.0 dazu einen wesentlichen Beitrag leistet und warum Menschen überhaupt ohne Gegenleistung (Sehen wir mal vom kurzfristigen Prestige ab) Empfehlungen aussprechen. Ob Empfehlungen zu Gewinnspielen, wo meine Chance zu gewinnen sinkt, ob Empfehlungen von Dienstleistern, deren Qualität durch eine höhere Auslastung sinkt oder deren Qualität nicht dem Wachstum Schritt hält, ob Empfehlungen von Produkten, die dann in solch hoher Zahl nachgfragt werden, dass Produktion und Qualitätskontrolle nicht mehr entsprechend hochwertig wie am Anfang durchgeführt wird…
Dies dazu in der kürze der Zeit…über Kommentare würde ich mich freuen….ich werde das hier beschriebene bei Gelegenheit weiter untersuchen.
Ein sehr interessanter Gedanke! Da in Zukunft sicher weit mehr Botschaften über virales Marketing kommuniziert werden, als es jetzt schon der Fall ist. Einige Marken bauen ausschließlich auf das virale Marketing und das mit Erfolg. Aber das Beispiel von Dove zeigt, dass der virale Effekt auch Imageschädigend sein kann. Die Kampagne mit dem Titel “Sprechen Sie mit Ihrer Tochter, bevor es die Schönheitsindustrie tut.” geht jetzt seinen eigenen Weg…
Erinnert sich noch jemand an “Blair Witch Project”? An den Film sicherlich einige, an die für das Jahr 1998 revolutionären (viralen) Aktionen vor Veröffentlichung wahrscheinlich kaum noch einer. Ich jedenfalls erinnere mich an eine Internetseite, die sehr authentisch auf das mysteriöse Verschwinden von Studenten hinwies.
Vor etwa einem halben Jahr griff nun ein gewisser J.J.Abrams die virale Thematik für die Leinwand wieder auf und entwickelte für seinen Film “Cloverfield” aka “01-18-08″ , der im Januar 2008 in die Kinos kommen wird, ein spektakuläres und in diesem Ausmaß noch nicht dagewesenes Konzept.
Alles begann im August mit diesem Trailer:
http://www.apple.com/trailers/paramount/cloverfield/large_2.html
Wen interessiert, was da genau an Hintergründen und viralen Onlineaktivitäten gegenwärtig passiert, dem empfehle ich als Einstieg folgenden Spiegel-Artikel:
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,496639,00.html
Mindestens genauso interessant:
http://merzmensch.blogspot.com/2007/07/1-18-08.html
Viel Spaß
Hallo Rudi!
diesem interessanten Gedanken konnte ich mich nicht entziehen, zumal ich eine Internetseite entdeckt habe, die versucht die sogenannte “Mund-zu-Mund-Propaganda” zu kontrollieren, wenigstens jedoch zu protokollieren. Das ist also eine Art Versuch dieses Vorgehen das du beschrieben hast zu beeinflussen.
Die Teilnehmer von http://www.trnd.de erhalten Produkte, Dienstleistungen o.ä. um sie zu testen, ihren Freunden/Bekannten/Arbeitskollegen usw. zu geben. Anschließend sollen sie einen Bericht schreiben, der mit Punkten abgegolten wird. Ab einer bestimmten Anzahl Punkte kann man diese umtauschen in diverse Merchandising-Produkte… also wieder in Dinge die Werbung für eben dieses Portal machen.
Zusammengefasst: Der Teilnehmer erhält keine wirkliche Belohnung (denn Werbeartikel sind ja als solche nur gering zu werten), gibt dafür aber Unmengen an Informationen weiter. (wem hat er wann, bei welcher Gelegeneheit das Produkt weitergegeben, empfohlen o.ä. und wie war die Reaktion) Warum? Weil er dafür kostenlos oder für wenig Geld die Produkte/Dienstleistungen zur Verfügung gestellt kriegt. Quasi auch eine kurzfristige egoistische Handlung… der vermeintliche persönliche Vorteil gegen eine Menge Feedback für die Firmen.
Ob das aber langfristig anhält bleibt abzuwarten.
Liebe Grüße
Sue
